E-Books sind toll, keine Frage. Aber es gibt immer wieder Fälle, in denen wir uns den digitalen Inhalt in gedruckter Form wünschen. Sei es, um interessante Stellen zu unterstreichen oder Notizen und Anmerkungen auf den Rand zu kritzeln oder der Oma ein interessantes Kapitel zukommen zu lassen. Mit einem E-Book-Reader geht das oftmals nicht.

Ein Ausdruck hilft. Aber hier ist es oftmals so, dass wir hinterher einen Blätterstapel mit uns rumschleppen. Sieht oll aus, lässt sich oll handhaben und verbraucht viel Papier, selbst wenn wir es doppelseitig bedrucken. Schöner sind ausgeschossene Booklets, die sich wie ein Buch lesen und handhaben lassen. Wie so ein Booklet mit einem in fast jedem Haushalt verfügbaren DIN A4-Drucker erstellt wird, soll dieses Howto zeigen.
In unserem beispielhaften Fall liegt das E-Book im pdf-Format vor und wir verwenden die Programmsammlung pdfjam, welche das komfortable und schnelle Ausschießen auf der Unix-Kommandozeile erlaubt. Voraussetzung für ein P-Book oder Booklet ist ein Dokument mit einer durch vier teilbaren Seitenanzahl. Liegen weniger Seiten vor, müssen sie bis zum nächsten Vielfachen von vier (z. B. mit Leerseiten) aufgefüllt werden.
Der schwierigste Teil am Ausschießen sind die Überlegungen, wie die Seiten angeordnet werden müssen. Die ersten beiden und letzten beiden Seiten sind Umschlagseiten und kommen auf ein Blatt, die Inhalte liegen dazwischen. Visualisieren wir vor seinem geistigen Auge ein Buch, sind die Seiten wie folgt angeordnet:
| – | 01 |
| 02 | 03 |
| 04 | 05 |
| 06 | 07 |
| 08 | 09 |
| 10 | 11 |
| 12 | – |
Zum Ausdrucken ist diese Reihenfolge eher ungeeignet und muss umgeordnet werden. Wenn wir uns klar machen, dass zwei Seiten nebeneinander in der Summe ihrer Seitenzahlen Seitenzahl+1 ergeben, wird es schon viel leichter. Auf eine Blatt passen vier Seiten. Für i = 0,1,…,a Seiten, 4|a, heißt das, dass wir a/4 = s Blatt Papier brauchen. Für j = 1,2,…,s kommen die Seiten
| 4s-2j+2 | 2j-1 |
| 2j | 4s-2j+1 |
auf das j-te Blatt.
Am Beispiel unseres zwölfseitigen Booklets würde es wie folgt ausschauen:
| Blatt 1 | 12 | 01 |
| 02 | 11 | |
| Blatt 2 | 10 | 03 |
| 04 | 09 | |
| Blatt 3 | 08 | 05 |
| 06 | 07 |
Noch mal am Bild-Dummy:

Das war der schwierige Teil. Jetzt krallen wir uns die pdfjam-Programmsammlung, darin das
Skript pdnup:
pdfnup ebook.pdf –nup 2×1 –pages 12,1,2,11,10,3,4,9,8,5,6,7 –paper a4paper –outfile booklet.pdf
[Update 15.02.2011] Neuere PDFJam-Versionen scheinen auf den Parameter –pages zu verzichten. anfangs war ich entsetzt, aber dann doch wieder beruhigt, denn die Seiten werden jetzt einfach ohne Parameter gleich hinter dem Dateinamen angegeben. Obiger Befehl währe also
pdfnup ebook.pdf 12,1,2,11,10,3,4,9,8,5,6,7 –nup 2×1 –paper a4paper –outfile booklet.pdf
[Ende Update]
Wer keinen Duplex-Drucker hat, schickt zu Beginn nur die ungeraden Seiten an den Drucker, dreht danach Stapel und schickt die geraden Seiten hinterher. Schon ist das Booklet fertig und kann fröhlich vollgeschmiert und danach der Oma geschenkt werden. Mehrere Dateien lassen sich mittels pdfjoin zu einer zusammenführen, was noch weitere Möglichkeiten eröffnet.


August 7th, 2009 at 10:01
Danke für die Info!
Ich habe schon länger nach einer Möglichkeit gesucht, ohne viel Aufwand (und ohne Windows zu brauchen) booklets aus meinen PDFs zu erstellen, daher läuft im Hintergrund direkt schon die pdfjam installation.
Jetzt muss ich mir nur noch ein kleines Skript schreiben, das idealerweise automatisch die Anzahl der Seiten ausliest und ein booklet erzeugt (ansonsten reicht auch die Option, die Anzahl der Seiten anzugeben statt die Reihenfolge von Hand eintragen zu müssen).
Lieben Gruß,
Arne
August 7th, 2009 at 11:45
Das Skript gibt es jetzt :)
http://bitbucket.org/ArneBab/1w6/src/tip/sonstiges/Skripte/write_booklet_pdfjam.py
Einfach aufrufen mit
./write_booklet_pdfjam.py original.pdf booklet.pdf
Es braucht pyPdf (http://pybrary.net/pyPdf/) und pdfjam (http://www.warwick.ac.uk/go/pdfjam).
Lieben Gruß,
Arne
März 26th, 2010 at 16:51
Hmm, ich will ja nicht unken, aber der AcrobatReader von Adobe, den es ja auch für Linux und MacOS gibt, kann von Hause aus Booklets direkt auf den Drucker schicken. Einfach im Druckdialog bei “Page Scaling” die Option “Booklet Printing” auswählen. Danach erweitert sich der Dialog um entsprechende Einstellungsmöglichkeiten.
Wer das Ganze nicht als Ausdruck haben will, sondern als neues PDF, stellt einfach “Print to File” ein.
März 29th, 2010 at 17:23
Ja, aber geht das auch in einem Skript? Denn angenommen, ich habe 100 solcher Teile, die ich schnell verarbeiten möchte, da will ich nicht im Acrobat Reader, den ich eigentlich sowieso nicht möchte, ständig irgendwo klicken. Ich möchte einmal etwas eintippen und wührend das erledigt wird, etwas angenehmes machen.
März 25th, 2011 at 00:43
Wirklich Praktisch solche Booklets…nutze entsprechende Ausdrucke häufiger zum Lernen und wenn ich Paper durchgehen muss.
Gibt dem ganzen ein wenig Ordnung!