Unterhaltungsorientierte Leseratten, E-Book-interessierte Internet-Freaks

erstellt am 07 Juli 2009 von Falko

Im Juni erschien mit “Das Buch im Medienportfolio” eine Studie, welche das Nutzungsverhalten unterschiedlicher Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Diese sollte ans Licht bringen, welchen Stellenwert das Buch im Vergleich mit anderen Medien, genannt werden Fernsehen, Radio, Internet, Tageszeitung, Zeitschrift und Hörbuch, einnimmt.

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Die Studie wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und dem Schweizer Verlegerverband herausgegeben und von der Gesellschaft für Konsumforschung durchgeführt. Für die Erhebung wurden 729 Personen aus Deutschland, 504 aus der deutschsprachigen Schweiz und 500 aus Österreich befragt, wie lange sie welches Medium am Tag nutzen:

MediumDeutschlandÖsterreichSchweizDurchschnitt
Tageszeitung42454142
Zeitschriften30352530
Fernsehen173168124170
Radio167207214173
Internet148173144150
Bücher27322527
Hörbücher17141215
Gesamt605673585610

Bei allen Angaben wurden die Personen, die ein Medium nie benutzen, außen vor gelassen. Die Deutschen, Überraschung, sind eine Nation der Fernseheulen. Nach der Flimmerkiste (28,6 Prozent) rangieren hierzulande Radio und Internet auf den Plätzen zwei und drei, Bücher und Hörbücher schaffen es zusammen immerhin, acht Prozent (44 Minuten) der medialen Zeit für sich zu beanspruchen. 18% der Deutschen gaben an, nicht auf Bücher verzichten zu wollen. Bei 54 Prozent der Leseratten sind Krimis das favorisierte Genre, dicht gefolgt von Sachbüchern (52 Prozent) sowie Koch- und Baclbüchern (46 Prozent). Circa ein Drittel aller Befragten kann sich vorstellen, E-Books zu konsumieren, wobei Deutschland mit 29 Prozent das Schlusslicht bildet (Österreich 45 Prozent, Schweiz 38 Prozent). E-Books werden hierzulande vor allem als Informationsmedien betrachtet.

Die Macher der Studie haben im deutschprachigen Raum sieben unterschiedliche Medientypen ausgemacht:

  • Entspannungssuchende Vielseher (21 Prozent): Für Personen dieses Medientyps, vor allem Frauen, ist das Fernsehen das zentrale Medium in ihrer Freizeit. Täglich verbringen sie etwa dreieinhalb Stunden vor dem Fernseher. Bücherlesen empfinden Personen dieser Gruppe häufig als anstrengend – wenn sie lesen, bevorzugen sie Liebesromane. Diese möchten sie in gedruckter Form lesen, gegenüber E-Books sind sie eher skeptisch eingestellt: 86 Prozent geben an, dass sie sich nicht vorstellen können, Unterhaltungsliteratur in Form von E-Books zu lesen.
  • Regelmäßige Radiohörer (19 Prozent): Personen dieser Gruppe, vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren, hören durchschnittlich sechs Stunden Radio am Tag. Sie lesen etwa neun Bücher jährlich, wobei sie klassische Editionsformen bevorzugen. Im Internet zu
    lesen, können sich Personen diese Gruppe nicht vorstellen.
  • E-Book-interessierte Internet-Freaks (14,7 Prozent): Personen dieser Gruppen sind jünger als 50 Jahre und verbringen häufig mehr als fünf Stunden täglich im Internet. 69 Prozent von ihnen können auf das Internet nicht mehr verzichten. Sie lesen durchschnittlich neun Bücher im Jahr, dabei sind sie vor allem an Informationen interessiert. Für sie geht Inhalt vor Format, daher können sich 56 Prozent gut vorstellen, E-Books zu lesen, wenn sie sich informieren wollen.
  • Leseaverse Fernsehfans (12,3 Prozent): Zu diesem Medientyp zählen vor allem Männer. Sie lesen nur etwa eine Viertelstunde pro Woche in einem Buch (ein Buch pro Jahr) und nutzen auch Zeitschriften und Hörbücher unterdurchschnittlich. Während das Lesen von Personen dieser Gruppe als anstrengend empfunden wird, ist Fernsehen für sie ein aufregender und aktiver Zeitvertreib.
  • Konservative Zeitungsleser (11,8 Prozent): Diesem Medientyp gehören vor allem Männer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren an. Sie lesen täglich etwa eine Stunde Zeitung und greifen überdurchschnittlich oft zu Zeitschriften. Mit zehn gelesenen Büchern im Jahr entsprechen sie dem Durchschnittsleser im deutschsprachigen Raum. Sie lesen insbesondere zur Information, mögen Sachbücher, Reiseführer und Nachschlagewerke. Gegenüber Hörbüchern und E-Books sind sie eher ablehnend eingestellt, sie schätzen das gedruckte Buch.
  • Fantasy-begeisterte Onlineleser (11,5 Prozent): Zu dieser Gruppe gehören vor allem Männer unter 40 Jahren, die sich besonders für die Genres Comics / Mangas, Fiction und Fantasy interessieren. Sie sind stark inhaltsorientiert, deshalb ist ihnen die Editionsform von Büchern nicht wichtig. Gedruckte Bücher empfinden sie jedoch häufig als unpraktisch. Sie lesen gern online, mögen Hörbücher und stehen dem E-Book sehr aufgeschlossen gegenüber.
  • Unterhaltungsorientierte Leseratten (9,7 Prozent): Personen dieser Gruppe, überwiegend Frauen, lesen im Durchschnitt 26 Bücher jährlich. Ihr Leseinteresse richtet sich fast ausschließlich auf Bücher, Tageszeitungen und Zeitschriften sind nur wenig relevant. Zudem
    empfinden sie das Medium Fernsehen mehrheitlich als langweilig. Bücher sind für Personen dieser Gruppe eine Art Statussymbol, deshalb bevorzugen sie klassische Editionsformen, insbesondere das Hardcover.

Auch die Verbreitung der Medientypen innerhalb teilnehmenden Länder hat die Studie aufgelistet:

MedientypDeutschlandÖsterreichSchweizinsgesamt
Entspannungssuchende
Vielseher
22,3 %12,9 %14,4 %21,0 %
regelmäßige
Radiohörer
18,4 %20,8 %26,1 %19,0 %
E-Book-interessierte
Internet-Freaks
14,4 %18,4 %13,0 %14,7 %
Leseaversive
Fernsehfans
12,3 %12,7 %11,3 %12,3 %
konservative
Zeitungsleser
12,0 %8,8 %13,1 %11,8 %
Fantasy-begeisterte
Onlineleser
10,7 %18,1 %13,4 %11,5 %
Unterhaltungsorientierte
Leseratten
9,9 %8,3 %8,6 %9,7 %

Der mengenmäßige Einfluss der deutschen Studienteilnehmer schlägt hier voll durch. Wer relative Zahlen möchte, setze sich bitte selbst hin.

<Studie, Zusammenfassung>
[Bild: © bluefeeling / PIXELIO]

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