Nachdem in der letzten Woche großes Geheule einsetzte, weil Amazon Orwell-Bücher von seinen E-Book-Readern Kindle löschte, wird jetzt über Lösungen palavert. Der Vertrieb der von einem Drittanbieter in den Kindle-Shop eingepflegten Bücher verstieß gegen Urheberrechte, so dass Amazon vom durch die KundInnen eingeräumten Recht Gebrauch machte und die Bücher via Fernzugriff flugs von den Kindles verschwinden ließ.

Nach einem Aufschrei der Empörung und Entschuldigungen von Amazon-Chef Jeff Bezos hat diese Praktik auch die Free Free Software Foudation (FSF) auf den Plan gerufen, welche nun eine freie Kindle-Software verlangt. Damit soll verhindert werden, dass Amazon sich noch einmal aus der Ferne der Kindle-Geräte bemächtigen kann. “Das eigentliche Problem ist, dass Amazon DRM und proprietäre Software einsetzt. Das gibt dem Unternehmen eine inakzeptable Macht über die Nutzer”, so FSF-Chef Peter Brown. Der Respekt für die NutzerInnen verlange es, “DRM fallenzulassen und die Kindle-Software als freie Software zu veröffentlichen.” Zudem hatte die FSF dazu aufgerufen, Amazons Lesegeräte schlecht zu bewerten.
Diese Praxis ist in meinen Augen genauso schlimm wie das Löschen der E-Books. Alle NutzerInnen hatten Amazon mit dem Kauf des Kindles das entsprechende Recht zum Löschen eingeräumt und einige mit dem Kauf von Orwells “1984″ und “Animal Farm” (unwissentlich) gegen Urheberrechte verstoßen. Da Amazon in der Bredouille war und schnell handeln musste, ist das Vorgehen in meinen Augen nicht so furchtbar und kein Grund, warum ein bisher gutes Gerät plötzlich schlecht sein sollte. Freie Software ist eine feine Sache, ich selbst bin ein großer Fan selbiger. Ich gehe davon aus, dass auch Kindle-KundInnen mündige BürgerInnen sind, welche die Wahl hatten und sich für eine proprietäre Lösung entschieden haben. Dass sie damit dem Unternehmen “Macht” über sich gegeben haben, war demnach gewollt. Für mich ist diese Aufregung und das ganze Geschrei nach wie vor völlig unklar …
<via golem.de>
[Bild: ShakataGaNai]

