In Europas digitaler Bibliothek, der sogenannten Europeana, haben die BibliothekarInnen zur Zeit knapp 4,6 Millionen digitalisierter Dokumente zusammengetragen. Dazu zählen neben Büchern auch Bilder, Landkarten, Fotos, Zeitungen und Filmclips.

europeana.eu – Europas digitale Bibliothek, Zeitstrahl
Die Europeana wurde im November vergangenen Jahres gegründet und konnte ihren Anfangsbestand innerhalb von zehn Monaten mehr als verdoppeln. Bis 2010 soll der Bibliotheksbestand auf 10 Millionen Dokumente anwachsen. Das Urheberrecht legt dem allerdings etliche Steine in den Weg und soll aus diesem Grund reformiert werden. Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, fordert, dass die einzelnen Staaten enger zusammenarbeiten und den europäischen Urheberrechtsrahmen für das digitale Zeitalter fit machen sollen: “Die Mitgliedstaaten müssen aufhören, andere Kontinente um ihre Fortschritte zu beneiden und endlich selbst ihre Hausaufgaben machen.”
Zum jetzigen Zeitpunkt haben es nur fünf Prozent der europäischen Bücher in die Europeana geschafft, größtenteils Werke, die der öffentlichen Hand gehören bzw. nicht mehr durch das Urheberrecht geschützt sind. Das Urheberrecht gilt bis zu 70 Jahre nach Tod des entsprechenden Autors. Das Urheberrecht verhindert unter anderem, dass bereits vergriffene Werke, die immerhin 90 Prozent der Bücher in Europas Nationalbibliotheken ausmachen, nicht in die Europeana aufgenommen werden können.
Die Europeana ist birgt nicht nur die Chance, den EU-Bürgern große Kulturstücke aus Literatur, Geschichte, Kunst und Kino zugänglich zu machen, sondern auch bereits vergriffene Werke weiter in Umlauf zu halten. Bisher kommen 47 Prozent des Bibliotheksbestands aus Frankreich, Deutschland und die Niederlande steuern 15,4 Prozent bzw. acht Prozent der Werke bei. Ihnen folgen Großbritannien (7,9), Schweden (5,2), Finnland (4,0), Griechenland (1,6), Italien (1,2), Belgien (1,1), Slowenien (0,7), Spanien (0,6), Estland und Luxemburg (je 0,4), Polen und Rumänien (je 0,3) sowie Österreich und Portugal (je 0,2). Beiträge aus Ungarn, Lettland, Zypern, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Irland, Litauen, Malta und der Slowakei kommen auf 0,1 Prozent oder weniger.
NutzerInnen der Europeana können in den Beständern der digitalen Bibliothek nach Namen von Schauspielern, Autoren, Architekten, Künstlern, Choreographen, Komponisten, Dirigenten, Tänzern, Filmregisseuren, Musikern oder Fotografen suchen oder mit Wörtern aus Buchtiteln, Gedichten, Zeitungen, aus Titeln von Gemälden, Fotografien oder Fernsehsendungen recherchieren. Zudem lassen sich Ergebnisse nach Ort und Zeit ausgeben. Treffer können nach Materialarten, Text, Bild, Video und Ton, gefiltert werden. Die Dokumente sind je nach Material unter anderem als txt, html, pdf oder jpg verfügbar, die Multimedia-Formate erfordern mitunter Browser-Plugins.
NutzerInnen müssen sich nicht anmelden, um die Europeana zu verwenden. Wer sich allerdings anmeldet, kann seine Suchanfragen und Favoriten speichern und interessante Fundstücke an FreundInnen und Bekannte verschicken. Auf den “Communities-Seiten” kann über Inhalte diskutiert und gebloggt werden, Partnerseiten informieren über die Museen, Galerien, Archive, Bibliotheken und Ton- und Bildarchive, die ihre Inhalte für Europeana zur Verfügung stellen. BesucherInnen können den “Zeitstrahl” nutzen, um die Werke einzelner Epochen zu entdecken oder im “Denklabor” die Experimente der Entwickler, die Objekte in Europeana anzuzeigen, testen.
<via derstandard.at, golem.de und Europeana>

