Im Sessel, in der Bahn, beim Blutspenden, im Bett – in den letzten Tagen hatte ich die Gelegenheit, die E-Book-Reader 301 plus Komfort und 360° der ukrainischen Firma Pocketbook ausführlich zu testen. Beide E-Book-Reader haben mich mehrere Tage lang begleitet, so dass ich mir in den unterschiedlichsten Umgebungen ein Bild von ihnen machen konnte.

Pocketbook 360° und 301 plus
Gleich nach dem Auspacken war der kleine knuffige Pocketbook 360° mein Favorit, der 301er lief ihm aber im Verlauf des Tests diesen Rang ab. Am Anfang luden der Lagesensor und der durch ihn mögliche automatische Wechsel der Darstellung zu Spielereien ein. Egal wie der kleine Pocketbook gehalten wird, die Schrift ist in der Standardeinstellung immer senkrecht ausgerichtet. Aber nachdem ich mich im Bett auf die Seite rollte und plötzlich meine Augen ungewohnt von oben nach unten bewegen musste, um Lesen zu können, habe ich dieses neckische Feature ausgeschaltet.
Technische Daten / Ausstattung:
| Pocketbook 360° | Pocketbook 301 plus | |
| Display | 5″ E-Ink Vizplex, 600 x 800 Pixel | 6″ E-Ink Vizplex, 600 x 800 Pixel |
| Größe | 118 x 140 x 10 mm ohne Abdeckung 118 x 140 x 12 mm mit Abdeckung |
118 x 188 x 8,5 mm |
| Gewicht | 180 Gramm mit, 146 Gramm ohne Abdeckung | 174 Gramm |
| Interner Speicher | 512 MB | |
| Ram | 64 MB | |
| OS | Linux 2.6 | |
| Akku | 1.000 mAh, 7000 Seiten | 1.000 mAh, 8000 Seiten |
| Anschlüsse | mini-USB | mini-USB, Audioausgang (2,5 mm Klinke) |
| Erweiterungskarten | micro-SD, micro-SDHC | SD, SDHC |
| Formate E-Books | epub, pdf, prc, fb2, fb2.zip, txt, rtf, html, chm, djvu, doc, tcr | |
| Bildformate | bmp, jpg, png, tiff | |
| Audioformate | - | mp3 |
| Unterstützte Sprachen | Deutsch, Englisch, Russisch, Weißrussisch, Ukrainisch, Lettisch, Litauisch, Estnisch und noch eine, die ich nicht erraten konnte | |
| verfügbare Farben | Schwarz, Elfenbein | Schwarz, Grau, Pink, Hellgrün |
| Ausstattung, Lieferumfang | Pocketbook 360°, Abdeckung, USB-Kabel, USB-Ladegerät, Trageschnur, Bedienungsanleitung, Garantieschein | Pocketbook 301 plus, Schutzhülle aus Leder, USB-Kabel, UBS-Ladegerät, SD-Karte mit 2 GB, Kopfhörer, Bedienungsanleitung, Quickstart-Anleitung, Garantieschein |
| Besonderheiten | Neigungssensor, automatischer Wechsel Hoch- und Querformat, gleichermaßen für Rechts- und Linkshänder geeignet, Tasten können selbst belegt werden, Spiele, Kalender, Notizfunktion, Wörterbuch | anwenderspespezifische Tastenbelegung möglich, Spiele, Kalender, Notizfunktion, Wörterbuch |
Display und Lesbarkeit
Das Display ist sowohl beim Pocketbook 301 als auch beim Modell 360° problemlos lesbar. Ich nutzte ausnahmslos die kleinste Schriftart und konnte mich nie beklagen. Egal wie die Lichtverhältnisse waren und was als Lichtquelle diente, solange das Licht zum Lesen reichte, gaben die E-Ink-Vizplex-Displays die Schrift gut wieder, so dass auch stundenlanges Lesen nicht anstrengend war.
Die Bedienung
Beide E-Book-Reader sind mit einem von Pocketbook entwickelten Betriebssystem ausgestattet, welches auf Linux basiert. Nach dem ersten Einschalten landet man im Hauptmenu, welches sehr übersichtlich ist und sich intuitiv bedienen lässt. Das Menu ist in neun Bereiche unterteilt, die einzelnen Funktionen lassen sich schnell ansteuern.

Beide E-Book-Reader haben intuitiv nutzbare Firmware, die von Pocketbook entwickelt wurde
Über den Menupunkt Einstellungen können AnwenderInnen das Gerät ganz nach ihrem Geschmack anpassen. Hier lassen sich nicht nur die Sprache und das Verhalten des Geräts beim Ein- und Ausschalten festlegen, sondern auch, wie sich die Bibliothek präsentiert, welche Schrift favorisiert wird und mit welchen Funktionen einzelne Tasten hinterlegt sein sollen. Daneben können AnwenderInnen hier auch angeben, in welcher Orientierung sie ihre Bücher lesen möchten.

Fast alles lässt sich individuell anpassen ...

... sogar die Funktionen jeder einzelnen Taste
RSS-Feeds lesen
Als besonderes Feature reizte mich die Funktion, mit dem Pocketbook RSS-Nachrichten lesen zu können. Das soll mit Hilfe der Software PocektNews funktionieren, die, sehr ärgerlich, nur für Pseudo-Betriebssysteme verfügbar ist. Ich mag Borgsoft nicht, darum musste ich die Funktion unberücksichtigt lassen.
Wörterbuch, Such- und Notizfunktion
Die E-Book-Reader von Pocketbook können mit verschiedenen Wörterbüchern bestückt werden, was sich beim Lesen fremdsprachiger Texte als sehr hilfreich entpuppen kann. Unser Gerät verfügte über ein englisch-deutsches Wörterbuch, das sich nach anfänglichen Bedenken besser benutzen ließ als erwartet.
Hier lassen sich unbekannte Wörter zum Einen manuell eingeben. Die Buchstaben werden über die Wipptaste angesteuert, die dafür nötige Tastatur ist in drei Bereiche unterteilt. Die erste Richtung gibt dem Pocketbook-Reader den Bereich vor, in dem der gewünschte Buchstabe liegt, so dass nie mehr als drei Bewegungen braucht, um einen Buchstaben anzusteuern, ein weiteres Drücken übernimmt diesen schließlich. In einer Liste werden alle in Frage kommenden Wörter angezeigt, so dass unbekannte Worte schnell bekannt werden (sofern sie im Wörterbuch hinterlegt sind).

Wörter lassen sich im Wörterbuch oder in der Suche auch ohne Tastatur komfortabel eingeben
Neben der Möglichkeit der separaten Ansteuerung und manuellen Eingabe kann das Wörterbuch auch direkt aus dem Text heraus aufgerufen werden, in dem das unbekannte Wort auftritt. Dieser Weg ist um einiges schneller und komfortabler als selber tippen. Der Text lässt sich Wort für Wort durchlaufen und die entsprechenden Übersetzungen werden in einem kleinen Bereich dargestellt. In diesem können NutzerInnen auch das gewünschte Wörterbuch auswählen (natürlich nur, wenn mehrere installiert sind), größere Ausschnitte des Wörterbuchs betrachten oder in den manuellen Eingabemodus wechseln.
Ein weiteres angenehmes Feature ist die Möglichkeit, E-Books nach bestimmten Wörtern durchsuchen zu können. Die Funktion wird über das Menu aufgerufen, die Eingabe gestaltet sich ähnlich wie beim Wörterbuch, nach dem “Ok” wechselt der Reader zur Seite, auf der das gesuchte Wort das erste Mal auftaucht und hinterlegt alle Treffer grau.

Suche: Treffer werden grau hinterlegt
Auch die Notizfunktion lernte ich zu schätzen, denn beim Lesen von Büchern kommt es schon hin und wieder vor, dass ich mir einen bestimmten Absatz merken möchte. Die Firmware der Pocketbook-Lesegeräte erlaubt NutzerInnen, die betreffenden Stellen zu markieren und in einem dafür vorgesehenen Notizbuch abzulegen. Die E-Book-Reader speichern die Notizen als Bilddatei im bmp-Format. Anfangs dachte ich, sie würden im Textformat abgelegt werden und lassen sich hinterher bequem und schnell maschinell weiterverarbeiten. Als mich dann die Bilddatei angrinste, war ich irritiert und auch etwas enttäuscht. Die Funktion an sich hat mir trotzdem gut gefallen. Die Notizen der entsprechenden Notizbücher werden in extra-Verzeichnissen abgespeichert, mittels HTML angezeigt und verlinkt, so dass sich schnell in das zur Notiz gehörige Buch springen lässt.

Notizen landen als bmp-Grafik in einem eigenen Verzeichnis
Test PB 360° und 301, Teil 2: Pocketbook 360° im Detail
PB 360° und 301+ im Test, Teil 3: Pocketbook 301 plus im Detail
Pocketbook 301 plus und 360° im Test, Teil 4: ну обобщение, ну погоди!


Januar 9th, 2010 at 16:44
Sehr schöner Test! Gut gemacht!
Januar 9th, 2010 at 17:20
Drei Teile kommen noch, ich bin so faul …
Januar 9th, 2010 at 18:17
Twitter Comment
Just posted: “Pocketbook 301 und Pocketbook 360° im Test, Teil 1 | e-Leseratte”( [link to post] )
– Posted using Chat Catcher
Januar 9th, 2010 at 18:46
Sehr verständlicher und ausführlicher Test. Vielen Dank für nette Wörter über unsere Produkte!
Januar 9th, 2010 at 23:16
“Egal wie der kleine Pocketbook gehalten wird, die Schrift ist in der Standardeinstellung immer senkrecht ausgerichtet. Aber nachdem ich mich im Bett auf die Seite rollte und plötzlich meine Augen ungewohnt von oben nach unten bewegen musste, um Lesen zu können, habe ich dieses neckische Feature ausgeschaltet.”
Am besten checkst Du mal SciFiFans FBReader (zu finden im deutschen MobieRead-Forum). Der hat den Lagesensor so umgemodelt, dass er nur mehr volle 180° Drehungen erkennt und gleichzeitig erreicht, dass man mit einer Handrehhung die Seiten umblättern kann!
Januar 10th, 2010 at 12:26
Vielen dank für den ausführlichen und sehr kompetenten Test! Bin auf die Fortsetzung gespannt!
Kleine Ergänzung:
“Wörter lassen sich im Wörterbuch oder in der Suche auch ohne Tastatur komfortabel eingeben”
Normalerweise reich es, wenn man nur 2-3 Anfangsbuchstaben des Wortes eintippt, um das Wort zu finden. Das spart Zeit und ist bequemer.
Januar 10th, 2010 at 14:23
@mtravellerh: den modifizierten FBReader habe ich im zweiten Teil :) tolles Ding.