Test PB 360° und 301, Teil 2: Pocketbook 360° im Detail

erstellt am 10 Januar 2010 von Falko

Wie oben schon erwähnt, war ich auf das Pocketbook 360° viel neugieriger als auf den großen, gewöhnlicher anmutenden 301 plus. Das Gerät ist leicht, so klein, dass es in fast jede Tasche passt und überall schnell lesebereit. Dass es sich mit beiden Händen gleich gut bedienen lässt, kann sich in gewissen Lebenslagen, zum Beispiel beim Entsaften in einem Zentrum für Transfusionsmedizin, als Vorteil erweisen. Auch die dank Lagesensor automatische Ausrichtung der Texte ist im Alltag angenehm. Aber in meinem Test gab es einen Ort, an dem der 360° Minuspunkte sammelte: Mein Bett. Der automatische Wechsel der der Ausrichtung störte hier plötzlich, als ich mich auf die Seite drehte, ließ sich aber schnell abschalten. Viel schlimmer war das Knacken, das jeden Tastendruck begleitete. Im Alltagslärm geht das ja unter, aber in abendlicher, nächtlicher und morgendlicher Stille macht es sich gar nicht gut, wenn es bei jedem Seitenwechsel laut knackt.

Pocketbook 360°

Pocketbook 360°

Die Tasten ließen sich mitunter auch etwas schwerfällig drücken. Für den Wipptaster reicht es, wenn ca. 340 Gramm wirken, um eine Aktion einzuleiten. Für den OK-Button brauchte es mindestens 100 Gramm mehr, die großen Tasten lösten erst aus, nachdem ca. 1,2 kg darauf wirkten. Mit verbrannten Fingerchen kann das Lesen so schon zu einer argen Tortur werden. Wer die schwergängigen Tasten und das Knacken leid ist, kann auf eine hübsche FBReader-Modifikation der Pocketbook-Community (genauer von SciFiFan) zurückgreifen, mit der Seitenwechsel durch das Kippen des Geräts erfolgen können.

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Die E-Books landen entweder über eine kleine microSD-Karte oder USB-Kabel im Gerät und lassen sich dort von einem Medium auf das andere kopieren. Wer mit Büchern im pdf-Format an den Start geht, wird oftmals ganz schön zu tun haben. Prinzipiell werden pdf-Dateien gut wiedergegeben, aber diese brauchen mitunter recht lange, bis sie geladen sind und hier hat die Firmware bei komplexen Seitenaufbauten mit Grafiken, Bildunterschriften und Text teilweise Probleme, sie richtig anzuzeigen. Im Reflow-Modus wurden Umlaute gekillt und es kam zu unnötigen Seitenumbrüchen, in manchen Zoomstufen waren die Zeilenanfänge angeschnitten oder Bildunterschriften nicht mehr als zu einem Bild gehörig erkennbar. Probleme, die auch bei den Geräten anderer Hersteller auftauchen und die meiner Erfahrung und Erinnerung nach nur der PDF-Spezialist Foxit in seinem eSlick zufriedenstellend gelöst hatte.

Meist werden pdfs tadellos wiedergegeben ...

Meist werden pdfs tadellos wiedergegeben ...

... ganz selten, z. B. im Reflow-Modus, schießt aber auch mal etwas quer

... ganz selten, z. B. im Reflow-Modus, schießt aber auch mal etwas quer

Wer keine Bücher mit derartig komplexen Seiten zu lesen plant, wird keine Probleme haben. Die E-Books in den Formaten epub und fb2, die sich bereits auf dem E-Book-Reader tummelten, wurden ausnahmslos korrekt angezeigt und enthielten lediglich den ein oder anderen Rechtschreibfehler, der sich wahrscheinlich bei der Digitalisierung eingeschlichen hatte. Auch die zusätzlich vom Gutenberg-Projekt heruntergeladenen und auf den 360° übertragenen epub-Bücher wurden problemlos verdaut und angezeigt.

Html-Dateien schluckt der Pocketbook 360° ebenfalls problemlos, die Dateien scheinen <div>-weise angezeigt zu werden, also ein <div>-Block pro Seite. Eine sinnvolle Einstellung, bei Webseiten, die viel Kladderadatsch an den Anfang legen, etwa Navigation, Header-Divs usw. würde es enorm rascheln, wäre es ein gewöhnliches Buch. Aber es ist kein gewöhnliches Buch … bei einer relativen Linkstruktur (../blablub/bib.html) kann die Link-Funktion des Pocketbooks genutzt werden, um sich durch das Dokument zu pflügen, eine tolle Funktion, die das Lesen von Dokus und mitgelieferten Handbüchern gleich viel einfacher gestaltet.

Gute HTML-Unterstützung, Links können genutzt werden, das spart bei Dokumentationen und Handbüchern Zeit

Gute HTML-Unterstützung, Links können genutzt werden, das spart bei Dokumentationen und Handbüchern Zeit

Bilder und Grafiken werden dank der 16 möglichen Graustufen recht passabel wiedergegeben, der Pocketbook 360° scheint auch mp3-Dateien verarbeiten zu können, obwohl ihm jegliche Schnittstelle zur Ausgabe der Töne fehlt (zumindest lässt das die leuchtende Lampe vermuten und die außer Kraft gesetzten Tasten). Eine Funktion, die nicht wirklich gebraucht wird, da sie sich nur sehr begrenzt nutzen lässt. Ich hatte keine micro-SD-Karte zur Hand und kann so nicht sagen, welche Dateisysteme der E-Book-Reader verkraftet. Der größere 301 plus zeigte nur Bücher an, die sich auf einer mit vfat formatierten Karte befanden. Bei ext2 und ext3 blieben die Bücher trotz der Linux-basierten Firmware unauffindbar.

Dank 16 Graustufen werden Bilder in erträglicher Qualität dargestellt

Dank 16 Graustufen werden Bilder in erträglicher Qualität dargestellt

Autiodateien werden anscheinend abgespielt, Töne bleiben aber im Gerät (Notenzeichen eingeblendet, Aktivitäts-LED leuchtet)

Autiodateien werden anscheinend abgespielt, Töne bleiben aber im Gerät (Notenzeichen eingeblendet, Aktivitäts-LED leuchtet)

eine stabile Abdeckung schützt das Display, die Verzierungen sind Geschmackssache

eine stabile Abdeckung schützt das Display, die Verzierungen sind Geschmackssache

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Pocketbook 360° ein angenehmer Begleiter ist und aufgrund seiner etwas lauten Tasten nur im Bett Probleme macht (auch wenn das jetzt komisch klingt). Im normalen Alltag lässt er sich gut und intuitiv bedienen, ermüdungsfrei lesen und schnell in fast jeder Tasche verstauen, in der eine stabil anmutende Abdeckung das Display schützt. Eine Akkuladung reicht gefühlt sehr lange bis ewig, das mitgelieferte Ladegerät ist eine feine Sache, denn so ist zum Laden kein Rechner nötig und es lässt sich auch zum Laden anderer Geräte, zum Beispiel für mp3-Player verwenden. Feines Teil, aber der 301 plus hat mir trotzdem ein bisschen besser gefallen … mehr dazu im nächsten Teil.

Pocketbook 301 und 360° im Test, Teil 1
Test PB 360° und 301+, Teil 3: Pocketbook 301 plus im detail
Pocketbook 301 plus und 360° im Test, Teil 4: ну обобщение, ну погоди!

3 Kommentare für diesen Beitrag

  1. eLeseratte (eLeseratte) Says:

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    Just posted: “Test PB 360° und 301, Teil 2: Pocketbook 360° im Detail | e-Leseratte”( [link to post] )

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  2. Forkosigan Says:

    “kann auf eine hübsche FBReader-Modifikation der Pocketbook-Community zurückgreifen, mit der Seitenwechsel durch das Kippen des Geräts erfolgen können.”
    Es empfiehlt sich der Lagesensor unter Einstellungen/Wartung zu kalibrieren, damit er zuverlässig funktioniert.

    “Im Reflow-Modus wurden Umlaute gekillt und es kam zu unnötigen Seitenumbrüchen”
    Normalerdweise werden Umlaute in Reflow-Modus nicht “gekillt”, liegt wahrscheinlich an der Schrift des konkreten PDF Datei. Die Seitenumbrüchen und und allgemein, wie gut wird der PDF im Reflow-Modus angezeigt, ist von der Formatierung des PDF Dokument abhängig. Je komplizierte die Formatierung, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige Schönheitsfehler vorliegen. Dank zwei integrierten Programmen, die PDf´s anzeigen, kann man meistens für jeden Dokument die Passende Programm und Vergrößerungsmodus wählen. Allgemeine Tipp, Reflow-Modus funktioniert besser mit Adobe-viewer, und Mehrspalten Modus, mit welchen durch die Seite ein richtigen Scrollen möglich ist, mit PDF-viewer.

  3. PocketBook Shop Says:

    Danke für den Ausführlichen Test! Besonders der Versuch die MP3 Datein auf einem Gerät ohne Lautsprecher und Kopfhörerausgang hat mich sehr angetan ;)). Da summt der MM einfach vor sich hin und weiss nicht wohin mit den Tönen :). Hey, das ist nur Gag!

2 Trackbacks für diesen Beitrag

  1. Pocketbook 301 und Pocketbook 360° im Test, Teil 1 | e-Leseratte Says:

    [...] nächste Teil dieses Tests beschäftigt sich ausführlicher mit dem Pocketbook 360°. Share and [...]

  2. PB 360° und 301+ im Test, Teil 3: Pocketbook 301 plus im Detail | e-Leseratte Says:

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