Wieder etwas off topic, aber langsam wird es mir zu blöd und Öffa soll ja manchmal helfen. Ich habe im letzten Jahr meine Bahncard-50-Abo gekündigt, nachdem ich wirklich viel Zeit mit Warten, Frieren, Schwitzen, … auf Bahnsteigen verbracht habe, bei kurzen Strecken nie 50 Prozent Ermäßigung bekam, die 50 Prozent sich oft nicht mit anderen Rabatten kombinieren ließen, so dass Reisen mit der Bahncard 25 oft preiswerter waren und, das Ausschlaggebende: Ich fuhr sechs Stunden in der ersten Klasse, in dem Abteil ließ sich die klappernde Heizung nicht regulieren, die Klos des Wagons waren abgesperrt und es gab keinen Speisewagen. Kundenfreundlich sieht in meiner kleinen Welt anders aus.

Deutsche Bahn: Verzögerungen im Betriebsablauf und Gier, Gier, Gier...
Die Kündigung wurde zwei Wochen später bestätigt:
Ihre Nachricht vom: 4. Oktober 2009
Unser Zeichen: 1-2677067075
Sehr geehrter Herr Benthin,
mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie Ihr BahnCard-Abonnement kündigen möchten.
Ihrem Wunsch entsprechend bestätigen wir die Kündigung Ihres BahnCard-Abonnements zum 28.12.2009.
Gemäß unserer Beförderungsbedingungen gilt die Kündigung des Abonnements sowohl für die Hauptkarte als auch für vorhandene Zusatzkarten. Daher müssten Inhaber von Zusatzkarten die BahnCard bei Bedarf neu bestellen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir mögliche aktuell bestehende Preisvorteile für den erneuten Bezug der BahnCard nicht berücksichtigen können.
Sollten Sie Fragen haben oder weitere Informationen wünschen, senden Sie uns bitte einen Brief an DB Fernverkehr AG, BahnCard-Service, 60643 Frankfurt am Main oder eine E-Mail an bahncard-service@bahn.de. Selbstverständlich sind wir auch telefonisch gerne für Sie da: Unter der Servicenummer 0180 5 340035* erreichen Sie uns montags bis freitags von 7.00 Uhr bis 21.00 Uhr.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team vom BahnCard-Service
Sachbearbeiter: Björn xxxxxx
Einen Monat darauf bekam ich, oh Überraschung, eine neue Bahncard. Ich deponierte sie in einer meiner Kramecken. Ein Glück, dass ich sie nicht weggeworfen hatte, denn zum Jahresende griff die Bahn auf mein Konto, gierig nach Geld für Leistungen, die ich nicht mehr in Anspruch nehmen wollte:
Datum Tag der
WertstellungVerwendungszweck
BuchungsnummerBetrag
[EUR]30.12.2009 30.12.2009 DB VERTRIEB GMBH
100000385257 040003365554
BAHNCARD 7081410137701999
999001-230,00
Spätestens jetzt musste ich tätig werden. Da ich schlechte Erfahrungen mit den Kundenhotlines von Quasimonopolisten gemacht hatte, bin ich gleich in ein Reisezentrum getobt.
Dort ist es in der Regel nett, die DB-MitarbeiterInnen, die den Zorn der KundInnen direkt zu spüren bekommen, sind meiner Erfahrung nach auch immer freundlich, hilfsbereit und kompetent. Sie haben mich flugs an der Computerstimme vorbei mit der richtigen Stelle verbunden, und es wurde mir bestätigt: “Da hat wohl jemand geschlafen. Schicken Sie die Bahncard zurück, ich mache hier eine Notiz, das Geld wird dann sofort zurücküberwiesen.” Fein, dachte ich, wenigstens das scheint unkompliziert zu funktionieren.
Seitdem sind fast zwei Wochen vergangen, Miete wurde fällig, Versicherungen wurden fällig, Einzüge für Vermögensaufbau wurden fällig und kaum war das neue Jahr ein paar Tage alt, schon krepelte ich im Dispo rum. 16,25 Prozent, weil jemand bei der Deutschen Bahn geschlafen hat. Also habe ich wieder angerufen. Das ist jetzt eine Woche her. Es bringt ja nichts, die Leute am Telefon rund zu machen, die meist nichts für das Versagen der Anderen können. Also geht es weiter. Semesterbeiträge, Krankenkasse, Zeitungsabos, … stehen an, aus dem Dispo in den Dispo, die Bahn mährt rum, und ist wahrscheinlich gerade mit allen MitarbeiterInnen, die keine Fahrkarten verticken oder ihre Kralle auf Konten packen, damit beschäftigt, Schneeflocken von den Gleisen zu fegen, Eiszapfen von Zügen abzubrechen, Türen zu enteisen oder den Betriebsablauf anderweitig zu verzögern. Der erste Winter, ein jährlich wiederkehrendes überraschendes Ereignis …
Ich könnte jetzt in die Bank rennen, weiter Terz machen, ihnen hinterhertelefonieren, die Verbraucherschutzzentrale einschalten, aber eigentlich bin ich es leid und mein Geduldsfaden ist noch nicht endgültig gerissen. Die Bahn klaut mir schon genug Zeit, denn darauf versteht sie sich ausgezeichnet.
[Bild: filmladen.at]

